Seoul – Kim und Struppi*

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… oder unser Ausflug nach Nordkorea – na jedenfalls verdammt nah dran an Tag 4 in Südkorea.
Und das kam so: in Seoul werden Touren in die DMZ, die Demillitarisierte Zone zwischen Süd- und Nordkorea verkauft. Das ist ein ca. 2 km breiter Streifen zwischen beiden Staaten. Ganz Mutige (oder Familien mit Kindern, die älter als 10 Jahre sind…) wagen sich bis direkt zur Grenze vor: in Panmunjeom kann man in der berühmten blauen Baracke einen Fuß auf nordkoreanischen Boden setzen. Das hätten wir uns schon gerne mal angeschaut, aber mit Kind ist das eben nicht erlaubt.
Wir haben also „Nordkorea-Light“ gebucht.
Mit einem Bus ging es am Morgen 55 km nach, klar, Norden. 😀

Unterwegs gab es schon ordentlich Stacheldraht und diverse Überwachungstechnik zu bewundern:

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Im Hintergrund kann man die leergeholzten Berge Nordkoreas erkennen. Der direkte Vergleich zum südkoreanischen Gebirge ist erschreckend, aber Holz ist eben eine der Hauptenergiequellen im Land.

Bei der Einfahrt zur DMZ mussten wir einen militärischen Kontrollpunkt passieren und die Pässe aller Businsassen wurden von einem Soldaten kontrolliert.
Dann waren wir da. Außer Stacheldraht mit dem Hinweis auf vermintes Gelände außerhalb des Selbigen und ein paar patriotischen Aufbauten gab es nicht allzuviel zu sehen – überirdisch jedenfalls…

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…unterirdisch durften wir uns den dritten Invasionstunnel anschauen. Einer von Vier enttarnten und wahrscheinlich Hunderten weiterer, unendeckter Tunnel, den die Nordkoreaner seit den 50er Jahren in Richtung Südkorea gegraben haben. Alleine dieser Tunnel würde es 30.000 Soldaten je Stunde ermöglichen, nach Südkorea zu gelangen.
Den Tunnel selbst fand vor allem meine Wadenmuskulatur beeindruckend: die 400m in die Tiefe (gefühlte Steigung: 90%) musste man zu Fuß zurücklegen. Am Ende des Tunnels konnte man einen Blick auf die Betonsperren, die die Südkoreaner logischerweise errichtet haben werfen und befand sich an dieser Stelle noch 170m von der Nordkoreanischen Grenze entfernt. So tief unter der Erde und mit diesen Infos im Hinterkopf war das Ganze dann gar nicht mehr soooo unspektakulär…
Leider durften im Inneren des Tunnels keine Fotos gemacht werden, deshalb hier zumindest ein anschauliches Schaubild zum besseren Verständnis:

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Ob sich das Herr Kim hätte jemals träumen lassen, dass sein Invasionstunnel zur Touristenattraktion wird!?
Danach ging es mit dem Bus weiter zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man nach Nordkorea schauen kann.

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Auch hier wieder der krasse Gegensatz der DMZ (die einem Naturschutzgebiet gleicht, so wie der ehemalige Todesstreifen, der zwischen BRD und DDR verlief) und dem bräunlich-grauen Gebirge auf Nordkoreanischer Seite.

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Der Grenzverlauf ist klar erkennbar…

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… sowie der Turm mit der nordkoreanischen Flagge.

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Die DMZ besuchten wir am 4. Oktober, also einen Tag nach dem Tag der Deutschen Einheit und beim Anblick der Grenze ist uns doch manch kalter Schauer über den Rücken gelaufen. Auch die Koreaner wünschen sich eine Wiedervereinigung, zumindest unser Reiseführer betonte das mehrmals, räumte aber auch ein, dass das unter Umständen „noch 100 Jahre dauern kann“…

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Weiter geht die Tour zur wenige Kilometer entfernten „Dorasan-Station“, einem Bahnhof der eigentlich Nord- und Südkorea verbinden soll, momentan aber die Endstation vor der Grenze ist. Alles ist vorbereitet, Schienen verlegt, aber das Ganze gleicht einer Geisterstadt…

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Ob man jemals von Seoul nach Pjöngjang (wie ganz oben auf dem Schild zu den Gleisen schon angekündigt) und umgekehrt wird reisen können? Wir wünschen es den Koreanern jedenfalls!

Damit ist unser Ausflug „nach“ Nordkorea auch schon beendet und wir fahren zurück nach Seoul, das uns mit der Skyline des berühmten Gangnam-Viertels begrüßt.

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*“Kim und Struppi“ ist übrigens der Titel eines sehr lesenswerten Buches über Nordkorea!

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