Ein Jahr ist um!

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Ob das Jahr „schon“ oder „endlich“ um ist, ist natürlich immer situationsbedingt… 😉
Momentan tendiere ich (und auch große Teile der restlichen Familie) zu „endlich“: Ich habe mir zum Jubiläum eine Shaghai-Bronchitis gegönnt (Asthma-Spray, juche!), Tino spricht von Bergfest und Lottchen meinte Letztens, dass wir ja schon ganz schön lange „Urlaub“ in China machen würden…nun ja.

Im Großen und Ganzen haben wir uns aber sehr gut hier eingelebt: das Essen schmeckt wunderbar, wir haben eine tolle Wohnung (wenn auch mit Nerv-Baustelle direkt davor) und auch schon viele Freunde gefunden.

Zeit also für ein kleines Resümee: Wen du ein Jahr in Shanghai lebst,…

…verstehst du 40% der U-Bahn-Durchsagen (und jeden Tag ein Wörtchen mehr)

…kannst du auf dem Fake-Mart feilschen wie ein Chinese (jedenfalls bilde ich mir das gern ein, aber insgeheim weiß ich natürlich, dass wir immer noch zuviel bezahlen, wenn wir den Laden freudestrahlend mit einem „Hermés“-Schal für 4,50 Euro verlassen)

…stehst du immer noch fassungslos vor dem importierten 10 Euro-Camembert im City-Shop, sowas wie dem Intershop Shanghais (für alle Leser aus dem alten Bundesländern: das waren Läden in der DDR, in denen man für viel „Westgeld“ wenige, heißbegehrte Westwaren kaufen konnte)

…bezahlst du immer noch fassungslos 10 Yuan (ca. 1,50 Euro) für ein komplettes, nahrhaftes, frisch zubereitetes Mittagsessen, wenn du mit den chinesischen Kollegen losziehst

…wurdest du eindrücklich mit chinesischen Hygeniemaßnahmen im Streetfoodbereich bekannt gemacht. 1. Fall: offensichtlich ist es ok, die Stäbchen mit denen man den Reis umrührt, den man gleich verkaufen wird, auch zum Probieren zu verwenden; 2. Fall: eines Morgens konnte ich die Köchin und/oder Ayi eines sehr chinesischen Restaurants beobachten, wie sie eine Riesenschüssel mit gekochten Fleischknochen unter feinstem, Shanghaier Leitungswasser abspülte und die Schüssel danach im Straßengulli auskippte. Dabei fielen einige der Fleischknochen auf das Gulligitter (glücklicherweise nicht hinein!), was aber nicht weiter störte, denn sie wanderten zurück in die Schüssel zu den anderen Knochen. Hier hat sich die Devise „Was uns nicht umbringt, macht uns härter“ bewährt und ein ordentlicher Schluck Hochprozentiges nach dem Besuch einer Straßenküche hat auch noch nie geschadet… 😀

…bist du jeden Tag auf dem Heimweg vom Büro versucht, doch mal den berühmten Stinky-Tofu zu probieren, der je nach Gemütslage nach gutem, alten französischen Käse oder nach einer Ladung verfaulter Eier riecht. Nur ich will das. Tino hat für den Tag, an dem ich es wagen sollte chòu dòufu zu probieren, angekündigt, mich ins Gästezimmer auszulagern. 😀

…bist du immer noch nicht Bus gefahren. Doch, schon Touri-Sightseeingbus, Linienbus in Peking und Privatbus von Moganshan, aber eben nicht Linienbus in Shanghai. Kommt noch.

…musst du endlich mal noch mehr vom restlichen China sehen! Geplant sind Guilin mit den Drachenknochenreisterassen im Mai und Xi’an mit der Terracottaarmee (per Schlafenwagen!) im Juni.

Jahresrueckblick

6 Gedanken zu „Ein Jahr ist um!

  1. Margit

    Herzlichen Glückwunsch oder Gute Besserung zum Bergfest …
    Ihr 1 Jahr in Shanghai – heißt für uns jeden Tag ein bißchen Sehsucht mehr, aber wir freuen uns auch
    mit Euch, dass Ihr Euch wohlfühlt und gut eingelebt habt, wir freuen uns schon auf`s nächste Wiedersehen.
    Liebe Grüße Mutti und Papa

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  2. Tante Tina

    Hallo ihr Lieben,
    wie schnell (oder langsam) doch die Zeit vergeht…
    Die Welt scheint irgendwie kleiner geworden zu sein. Der eine mal schnell in Amerika, der andere in Shanghai…Zum Glück gibt’s Internet!!! Ein Hoch auf die Technik!
    Gute Besserung, liebe Miriam!
    (Mail folgt)
    Liebste Grüße und einen dicken Kuss für Carlotta,
    eure Martina

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  3. JiaoJiao

    Hallo Miriam!
    Herzlichen Glueckwunsch zum Einjaehrigen!
    Den Stinky-Tofu (wieso ist Tofu ein maennliches Wort? )sollte man auf jedem Fall probieren. Es schmeckt viel besser als es riecht, das Fritieren (aussen knusprig, innen weich) u. die pikante Sosse machen das Produkt perfekt. Meinem Schatzi schmeckt das auch gut, er hat auch schwarze Eier, Schlange, …gegessen, alles halb so schlimm und manches gar nicht so uebel! Sich der fremden Esskultur bereitzustellen und ueberraschen zu lassen, gehoeren nun mal zu einer absoluten Weltoffenheit. 😉 Nach Verzehr von Stinky-Tofu riecht man kaum danach, ausserdem gibt’s ja Zahnbuerste, also kein Grund fuers Gaestezimmer. Ein bekanntes chin. Sprichwort besagt: wer nicht auf der Mauer war, ist kein echter Held. Du weisst also Bescheid! Wuensche Euch weiterhin schoene Zeit in Shanghai und viel Erfolg fuer deinen Blog! Jiaojiao

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    1. Miriam Artikelautor

      Vielen dank für die Glückwünsche! 🙂 Jaaaaa, überraschen lassen und sich der fremden Esskultur stellen, das finde ich auch wichtig und da sind wir doch recht offen, möchte ich meinen. 😉 Die letzten Bastionen Stinky Tofu (übrigens ja nur im Deutschen männlich, in China ist er ja „geschlechtslos“…) und Seegurke werden wir auch noch einnehmen! 😀

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  4. JiaoJiao

    Kann kaum erwarten, deinen Bericht hierueber zu lesen. 🙂
    Ueberigens, bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich alles, was „streng riecht“, nicht gemocht wie z. B. Knoblauch, Zwiebel, Ingwer…Kaese kannte ich ja gar nicht. Seltsamerweise wird der Verzehr von solchen geruchsintensiven Sachen in der buddhistischen Lehre auch abgeraten, weil diese die Sinne benebeln sollen. So gesehen sollte man sich dem Stinky-Tofu bloss nicht verfallen. 😉

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